Dorothy Dunnett Biographie

Dorothy Dunnett Copyright Alison Dunnett

Dorothy Dunnett
Copyright Alison Dunnett

Dorothy Halliday wurde am 23. August 1923 in Dunfermline, Fife, als einzige Tochter eines Bergbauingenieurs geboren. Sie wuchs in Edinburgh im Viertel Costorphine auf und besuchte die James-Gillespie-Mädchenschule. Sie war einige Jahre jünger als Muriel Spark, der die Schule als Modell für ihren berühmten Roman ‚The Prime of Miss Jean Brodie’ (dt. ‚Die Blütezeit der Miss Jean Brodie) diente. Dorothy studierte am Edinburgh College of Art und an der Glasgow School of Art und wurde zur begabten Portraitmalerin. Während des zweiten Weltkriegs arbeitete sie als Pressereferentin für diverse Regierungsbehörden in Edinburgh, unter anderem für das Handelsministerium. Ihr Chef dort war Alastair Dunnett, den sie 1946 heiratete.

Der fünfzehn Jahre ältere Alastair Dunnett war ein angesehener Zeitungsverleger, der zuerst den schottischen ‚Daily Record’ und dann für 17 Jahre den ‚Scotsman’ leitete. Nach seinem Rückzug aus dem Verlagsgeschäft wurde er Vorsitzender von Thompson Scottish Petroleum. Er wurde 1995 für seine Verdienste zum Ritter geschlagen.
Die Ehe war ausgesprochen glücklich. Lady Dunnett sagte, dass ihr Ehemann das Vorbild für ihren berühmten romantischen Helden, Francis Crawford of Lymond, war. Die Dunnetts hatten zwei Söhne, Ninian und Mungo. Sir Alastair starb im Jahr 1998.

Lady Dunnett war eine achtunddreissigjährige Hausfrau, als sie sich der Schriftstellerei zuwandte. Nachdem sie sich bei ihrem Ehemann beklagt hatte, nichts interessantes zum Lesen zu finden, schlug er ihr vor, doch selbst etwas zu schreiben – und so kam der Stein ins Rollen.

Ihr erster Roman, das erste Buch der sechsbändigen ‚Lymond Chronicles’, wurde von der bekannten amerikanischen Lektorin Lois Dwight Cole, die bereits Margaret Mitchells ‚Vom Winde verweht’ entdeckt hatte, akzeptiert. Diesem folgten 22 weitere Bücher. Die Bände der weltbekannten ‚Lymond Chronicles’ wechselten sich mit einer Reihe von unterhaltsamen Detektivgeschichten um einen segelnden, brillentragenden Gentleman namens Johnson Johnson ab. Darauf folgte ‚King Hereafter’, ein faszinierendes Buch, für das Dorothy vier Jahre lang recherchierte. In diesem untersuchte sie die ‚wahre’ Identität Macbeths und entwickelte eine Theorie, die auch das Interesse von Historikern weckte.

Dorothy Dunnetts letztes Werk, die achtbändige ‚House of Niccolo’-Serie, spielt in der Zeit der Renaissance und dreht sich um einen weiteren ungewöhnlichen Mann: Nicholas de Fleury. Hier wurde Dorothys Interesse durch die Welt des 15. Jahrhunderts mit ihrem Handel und ihrem sich entwickelnden Finanzwesen geweckt. Die Bücher sind voll von unvergesslichen Figuren, komplexen Handlungssträngen, humorvollen Vignetten, Poesie und Musik, so dass die Vergangenheit dem Leser fast real vor Augen steht.

Das letzte Buch dieser Serie, ‚Gemini’, erschien im Jahr 2000 und war der Anlass für eine grosse Dunnett-Convention in Edinburgh, bei der mehrere hundert Menschen aus aller Welt für drei Tage zusammenkamen, um mit Dorothy Dunnett zu feiern.

Aber Dorothy lebte nicht nur in der Vergangenheit – ganz im Gegenteil: sie war eine warmherzige, witzige und charismatische Persönlichkeit mit weitgefächerten Interessen. Sie schätzte Malerei, Bildhauerei und Musik und schuf auch selbst entsprechende Kunstwerke. Sprachbegabt, war sie eine begeisterte Reisende, die im Rahmen ihrer Recherchen Länder wie Schottland, Flandern, Russland, Island, Frankreich, Malta und auch die Türkei bereiste, um nur einige zu nennen.

Sie war ausserdem Kuratoriumsmitglied der Schottischen Nationabibliothek und des Scottish National War Memorial, nichtgeschäftsführendes Mitglied im Direktorium von Scottish Television und eine der Leiterinnen des Edinburgh Book Festival – und Gastgeberin einiger legendärer Festival-Parties. Dorothy war ein ‚Fellow of the Royal Society of Arts’ und wurde im Jahr 1992 wegen ihrer Verdienste um die Literatur mit dem Order of the British Empire (OBE) ausgezeichnet.

Dorothy Dunnett starb am 9. November 2001 nach kurzer Krankheit im Alter von 78 Jahren.